· 

Writing Excuses Masterclass 10.34

Nach einem Monat über das Tempo gab es auch in der Abschlussfolge eine Fragerunde, in der die gestandenen Autoren ihre Meinungen, Ansichten und Arbeitsweisen erklärten. ;-)

 

Die aktuelle Aufgabe passt schon zum Thema "Plot Twists" des nächsten Monats. Die Übung nennt sich "hard left" (ich kenne weder die Übung noch den Ausdruck. ;-P) Nimm eine Szene mit halsbrecherischem Tempo. Baue einen Wechsel ein, ohne die Szene zu unterbrechen, und zwing die neue Richtung im selben Tempo weiter.

 

Verfolgungsjagd

Na dann *Finger knacksen* wollen wir Rory mal ein bisschen jagen. Einen Teil habe ich bereits für das Manuskript geschrieben, ein Teil ist neu, also der stark linke Einschlag, wie in der Übung verlangt. XD

 

Der Mann blieb an der Stelle stehen, an der Rory den Weg verlassen hatte. Einige Augenblicke lang betrachtete er den Boden, dann streckte er die Nase in die Luft und nahm einen tiefen Atemzug. Unwillkürlich zog sie den Kopf ein Stück ein.

Sein Kopf schnellte herum. Blicke trafen aufeinander.

Er brüllte, die Hände geformt wie zwei mächtige, mit Krallen bewehrte Klauen. Ein Mischwesen, wie es nur dem Nebel entspringen könnte.

Rory schrie auf und wirbelte herum. Als sie hörte, wie das Wesen einen ersten Satz machte, sprang auch sie davon. Bei jedem Atemzug schien heisse Luft ihren Nacken zu streifen.

Weiter, einfach weiter. Bergauf. Vielleicht war das Wesen langsamer oder schneller müde. Es war gross und schwer. Ihre einzige Hoffnung war, den Häscher abzuhängen.

Ihre Füsse trommelten auf den Waldboden. Sie sprang über die Wurzel eines umgestürzten Baumes, hielt sich an einem Ast fest und schlug so einen Haken.

Das Brüllen war deutlich näher gekommen, das bildete sie sich nicht nur ein.

Sie überwand eine Hügelkuppe. Im Laub konnte sie den Untergrund nicht sehen. Steine, Äste, kleine Löcher erschwerten ihr den Weg. Sie stolperte mehr hinab, als dass sie ging. Sprang über einen weiteren Bach, rannte den Hügel hinauf.

Ein dumpfes Plopp neben ihrem Kopf liess diesen herumfahren. Ein Pfeil aus dem Blasrohr steckte in dem Baum direkt neben ihr. Als würde das Gift den Baum entzünden, stieg erst wenig, dann immer mehr Rauch aus dem kleinen Loch auf.

Wenn der Pfeil sie getroffen hätte, läge sie jetzt am Boden.

Sie drehte sich um. Das Ungeheuer war nur noch wenige Meter von ihr entfernt. Rory machte einen Satz zur Seite, rollte sich auf dem ruhigen Waldboden ab. Steine, Laub, Äste. Ein Brummen. Die Welt wirbelte um sie herum, nahm sie mit und spuckte sie am Fusse des Abhangs aus.

Noch immer drehte sich ihre Umgebung, doch sie stand auf. Weg von hier, weg von diesem Wesen, das nur ihren Tod bedeuten würde. Einfach weiter.

Vor ihr baute sich eine Mauer aus Nebel auf, ein Weiss, das so unschuldig wirkte wie ein Neugeborenes.

Rory taumelte hinein, eilte weiter, nun durch eine schemenhafte Welt. Nicht einmal die Strahlen der Sonne gaben dem Nebel eine Richtung.

Ein Brüllen, so wutentbrannt, dass sie am liebsten zu einer Maus geschrumpft wäre.

»Hab keine Angst.« Jemand flüsterte die Worte viel zu nahe an ihrem Ohr. Der Häscher? Droan?

Sie schüttelte den Kopf und rannte weiter. Irgendwo schlug ein weiterer Pfeil aus dem Blasrohr ein, doch sie bildete sich ein, dass es weiter entfernt war als zuvor.

Ein Schatten erhob sich vor ihr, gross und breit und mit klauenbewehrten Händen. Der Häscher!

Sie prallte gegen seinen Brustkorb, wurde von starken Armen gefangen genommen.

Ein Lied erklang, das sie in ihrem Innersten erschütterte, obwohl es in ihren Ohren sanft und rein klang. Es ging vom Häscher aus, als hätte er eine eigene Melodie, die ihm gar nicht so bewusst war.

Ein Wesen des Nebels!

Die Angst vor dem Häscher und der Gilde war grösser als die vor dem Nebel. Rory holte so tief Luft, wie es ihr möglich war, und liess die Musik aus sich herausfliessen, nahm alles auf, was in ihrem Inneren da war, und nutzte die Energie, um den Nebel zu vertreiben. Oder sich mit ihm zu vereinigen.

Kaum hatte sie angesetzt, brach der Häscher zusammen, und sie mit ihm. Hinter dem wuchtigen Mann stand Droan, einen Stock in seiner Hand.

»Ich sagte doch, du musst keine Angst haben«, erinnerte er und lächelte so warm, dass sie ihre Sorgen für einen Moment vergass.

Ich finde die eingebaute Wendung sehr spannend, und für einige Augenblicke habe ich mir überlegt, diesen Text in meine Geschichte einzubauen und den anderen damit zu ersetzen. Doch aus diversen Gründen geht das nicht, also bleibt es beim anderen Text. ;-)

 

Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie kleine Änderungen in der Richtung wirken können. Das zeichnet die Masterclass irgendwie auch aus, wie ich finde. ;-)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0